Bambi meets Sally

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Das bunte Leben wird im Disneylandstil auf der Fassade der „Eroberer-Moschee“ gefeiert.

„In Berlin ist die Zahl der Salafisten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus einer Analyse des Berliner Verfassungsschutzes hervor. Demnach hat sich die Anzahl der Personen, die der Szene angehören, seit 2011 verdoppelt und liegt derzeit bei etwa 950. Die Zahl der gewaltbereiten Salafisten soll sich im gleichen Zeitraum sogar vervierfacht haben.“ So berichtet die Abendschau am 17. Jan 2018.

Auch im bunten Kreuzberg fühlen sich Extremisten pudelwohl. In der Reportage widerspricht die Islamexpertin Claudia Dantschke deutlich: Die Anzahl und Ausbreitung der Szene ist nach ihren Kenntnissen wesentlich größer als im Berliner Senatsbericht dargestellt. Als ein islamischer Verein im Wrangelkiez vor etwa zehn Jahren einen Neubau plante, führte Frau Dantschke mit ihrem Mitstreiter Ali Yildirim im Vorfeld eine Gesprächsrunde in einer öffentlichen Einrichtung im Wrangelkiez. Ich war auch anwesend. Der Saal war voll, aber es waren scheinbar keine Muslime dort. Der eingeladene Imam hatte im letzten Moment abgesagt und keine Vertretung hingeschickt. Apologeten meinten, Muslime hätten gerade im toleranten Wrangelkiez dabei nichts Gutes zu erwarten, sogar Angst vor der Kritik. Eine erbärmliche pauschalisierende Erklärung ist das.

Nicht alle Menschen im Kiez freuen sich über das Vereinshaus. Als ich eines Tages die Baustelle in Öl malte, wurde ich von einem bärtigen Mann aus der Türkei angepöbelt. Er rannte zu mir von der anderen Straßenseite und fragte mich, ob ich wüßte, dass sich dort Faschisten treffen. Wie soll ich das wissen? Ich werte keine reaktionäre Ideologien auf, wenn ich als Künstler vor Ort eine Gebäudefassade auf einer Leinwand male. Nicht alle Türken sind Faschisten, nur etwa 60% der türkischen Staatsangehörigen in Berlin, die gewählt hatten, hatten im Sinne des Autokraten Erdogan ihre Stimmzettel angekreuzt. Manche türkischen Identitären sind sogar darüber stolz und können ohne Widerspruch in die Kamera grinsen.

„‚Viele Türken wissen, dass (Fatih Camii) eine Milli-Görüs-Moschee ist’, sagt (die deutsche Journalistin und Publizistin, Claudia) Dantschke. Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft, Verflechtungen mit der IFB (Islamische Föderation Berlin) sind bekannt. Die Föderation selbst bestreitet dagegen die Vorwürfe.“ Das war 2004 in der TAZ. Seitdem hört man von selbsternannten Kiez-Kennern und Tour Guides, dass sich alles zum Besseren – whatever the hell that means – entwickelt hat. Ob der Verein tatsächlich nur Süsskram aus Metrokübeln am Tag der offenen Moschee verteilen will – dazu hat Frau Dantschke noch keine Updates geliefert. Nun sieht man heute, dass es um den Verein von reaktionären Identitären nur so wimmelt. Sie scheuen sich nicht, den national-faschistischen Wolfsgruß oder den Rabia-Gruß der Muslimbrüder öffentlich zu zeigen.

 

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Dass die „politisch Aktiven“ im Wrangelkiez sich dafür nicht interessieren, propagiert eine oberflächige und museale Identität des Wrangelkiezes, die einem unkritischen „SO36“ Mythos nachtrauert, aber gleichzeitig damit gedopte Touristen bedient.

William Wires, 19. Januar 2018

Fatih Graffiti

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Trendy Journalismus

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“Kreuzberg has a reputation for being one of Berlin’s edgiest districts; it’s full of punks, anti-fascists, and other lefty-types. The neighbourhood is widely perceived as being „cool,“ …

Wow!

Seltsam wie ganze im Wrangelkiez mitbestimmende Bevölkerungsgruppen weggelassen werden. Ähnlich wie in Berichten über Kleindealer im Görlitzer Park, liest man nie über die rassistische Drogenmafia und den Geldfluss, die Drogenabhängigen, auch nie über die antisemitisch veranlagten türkischen und sonstigen Identitären und Faschisten, die Feuerteufel. Ob die trashy Touri-Restaurants, die Tür an Tür die Falckensteinstraße verunstalten, Chicken Shit Buden und die Drink and Drunk Spätis “cool” sind, ist Geschmacksache. Zum Interview sind diese Akteure nie bereit; sie könnten den journalistischen Eifer überstrapazieren und das konstruierte Bild von der Nachbarschaft ins Wanken bringen.

Cool – zumindest für die Bewohner – ist es im neuen „Ecosystem“ nicht, wenn Gastronomen mit spitzen Ellbogen große öffentliche Flächen von der Nachbarschaft mit Bierbänken besetzen und damit Massen von Easyjetters anlocken.

Im verlinkten Artikel über den Einzug der Firma Google mit zehn Mitarbeitern auf eine bescheidene 2400 qm Fläche im Umspannwerk Kreuzberg, rutscht die Hysterie ins Absurde:

„Yes, gentrification is part of Berlin, but Google coming in to the heart of Kreuzberg is like a conservative, right-winged, homophobic person going to Kit Kat Club. It makes no sense.“

Ein anderer Startupper, der wie Google ein Teil der “hippen Szene” sein will, lamentiert, anderen Startuppers in pricey Cafés mit funny englischen Namen zu begegnen.

Wieso nimmt Google – immerhin einer der reichsten Konzerne der Welt – die sich häufenden Bedenken nicht ernst, und sucht sich einen anderen Standort?

Ob das verstaubte SO36-Freiluftmuseum “Wrangelkiez” den perfekten „Ecosystem“ für ein Laden wie Google hergibt? Diese Frage werden bestimmt viele besorgte Journalisten und “Aktiven” nachgooglen.

William Wires, 19. Dez. 2017

 

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Alle Jahre zuwider

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Obwohl das Bild von Joseph und Maria vor der sogenannten “Apartheid Mauer” routinemäßig jeden Dezember die Runde macht, erhält es trotzdem keine Wahrheiten. Bekannt als die “Bansky Christmas Card”, strotzt es nur so von Propaganda und historischer Ignoranz.


Zu biblischen Zeiten wurde die Bevölkerung der römischen Provinzen aufgefordert, sich im Geburtsort beim lokalen Finanzamt anzumelden. Eine reine Volkszählung war das nicht. Joseph und Maria folgten dieser behördlichen Aufforderung und reisten für einen temporären Aufenthalt nach Bethlehem. So viele Herbergen gab’s damals nicht. Bei den Massen an Herumziehenden hatte das Ehepaar Glück ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Diese Menschen waren weder Migranten noch Flüchtlinge. Heute wäre so eine Reise nach Bethlehem lebensgefährlich. Juden werden heute in Judäa von kranken Killern auf offener Straße routinemäßig ermordet. Sie – weil sie Juden sind – dürften erst gar nicht nach Bethlehem einreisen.

Apartheid herrscht am wenigsten in Israel. Israel hat einen arabisch-muslimischen Anteil von ca. 20%. Es herrscht in Israel Religionsfreiheit und alle Bürger genießen die gleichen Rechte und Pflichten. Gegenteilig herrscht in allen Nachbarländern Ungleichheit. Tatsächlich emigrieren nicht-muslimische Bevölkerungen seit Hunderten Jahren aus den islamischen Ländern. Inzwischen werden diese oft theokratisch-diktatorisch geführten Staaten immer mehr arabisch-muslimisch mit entsprechend abnehmender Multikulti. Die Hamas besteht drauf. In der Gründungscharta steht:

„Artikel 7: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!“

„Artikel 13: Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. (…) Für die Palästina-Frage gibt es keine andere Lösung als den Djihad. Die Initiativen, Vorschläge und Internationalen Konferenzen sind reine Zeitverschwendung und eine Praxis der Sinnlosigkeit.“

Soviel zum Thema Apartheid und Antisemitismus.

Der Begriff Palästina ist eine rein geographische Bezeichnung, die die Römer über Hundert Jahre nach der Geburt Jesu eingeführt haben. Erst in den 60er Jahren im vergangenen Jahrhundert wurde die Bezeichnung durch den Kleptomanen Yassir Arafat auf eine “reine” Ethnie umgemünzt, mit dem Zweck den Juden ihren historischen und gegenwärtigen Bezug zu Israel zu negieren. Dazu wurde von der UNO ausschliesslich für die -arabischen – “Palästinenser” die UNRWA geschaffen. Weltweit einzigartig ist die Einrichtung, dass der Flüchtlingsstatus vererbbar ist. Das heißt nur durch die Geburtenraten werden immer mehr “Flüchtlinge” geschaffen; aus 500,000 Arabern, die auf die Vernichtung Israels warteten, wurden nun 4,2 Millionen “Flüchtlinge”. Mit einer Selbstverständlichkeit wird diesem neu geschaffenen Völkchen von den Nachbarländern keine Chance, geschweige die Staatsbürgerschaft, gegeben.  Sie werden als bloßes Erpressungsmittel gegen die Juden eingesetzt. Für die 850,000 jüdischen Flüchtlinge von damals gibt’s keine gesonderte UN-Behörde und auch keine Restitution für ihr Hab und Gut, für Haus und Hof. In den meisten muslimischen Ländern leben kaum mehr Juden, in manchen gar keine. Die einzigen Orte, an denen Juden und Muslime friedlich miteinander leben, sind Israel, die USA und andere nicht-islamisch geführte Länder.

In der gesamten islamischen Welt herrscht mehr oder weniger “Apartheid”, Geschlechtertrennung, Schwulenhass, Antisemitismus und Ignoranz. Daher empfangen diese Länder seit Jahrhunderten keine nicht-muslimischen Immigranten, die Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit für zukünftige Generationen suchen.

Heute hätten die Juden Maria und Joseph keinen Grund nach Bethlehem zu pilgern.

William Wires, 15. Dez. 2017


P.S. Die antisemitische Kommentare zum Artikel über die “Bansky Christmas Card” spiegeln die Absichten des Bildes.
Warum die “Bansky Christmas Card” so übel ist:
Der geschickte Krieg der Vereinigten Nationen
Bethlehem im 21, JahrHundert

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Verdächter Ruf des Wrangelkiezes

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Screenshot von einer antisemitischen Verlinkung auf der Facebookseite des besorgten Anwohners.

Dem Betreiber von Kvartira 62 wurde neulich eine Lederjacke mit Schlüssel und Portemonnaie tagsüber bestohlen. In einem Kommentar dazu wurde über die tolle Vernetzung im Kiez geschwärmt, „denn sie schafft die Möglichkeit sich gegen organisierte Banden zu wehren.“
Zum Schluß warnt der besorgte Anwohner – ein bekennender Antisemit – eindringlich davor, dass „etwaigen stereotypen Ausländerfeindlichkeiten Vorschub geleistet werden“ könnten.

Und ich dachte, dass das Rassismusproblem im Kiez mit der Verklebung der Verkehrsbeantwortungsanlage vor der Kirche in der Wrangelstraße mit dem Foto eines „weissen“ Kindes erledigt wäre.

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Flüchtige Begriffe

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„Dealers‘ Corner“ oil painting 50/40 cm, William Wires


In einem relativ kurzen Artikel in der online WeltN24 aus dem Jahr 2015 wird berichtet, dass die Überweisungen von Flüchtlingen und Migranten in ihre Heimatländer rasant zugelegt haben.

Es wird grob verallgemeinert, dass “das Geld in der Regel für die zurückgelassenen Ehepartner, Eltern und Kinder bestimmt (ist), die damit Lebensmittel kaufen, Medizin bezahlen, oder eine Schule besuchen sollen” und dann schlussfolgert, dass “Entwicklungshilfe und Rücküberweisungen sich sehr gut ergänzen.” Moneygram, ein Wirtschaftsprofessor und noch anonyme Ökonomen dienen als unwidersprochene Quellen.

Neben den edlen Absichten werden nicht nur Flüchtlinge und Migranten in einem Atemzug zusammengeklaubt und rausgehauen, es wird nicht mal eine sinnvolle (oder gar unsinnige) Verzahnung privater Geldüberweisungen und Entwicklungshilfen angedeutet.

Die Begriffe “Flüchtling” und “Migrant” sind wertneutrale Bezeichnungen für Menschen, die sich mal aus einer Zwangssituation heraus befreien oder eine Zukunftsvision woanders verwirklichen möchten. Dazu kommt der juristische Begriff “Asylbewerber”. Die Handhabung dieser unterschiedlichen Personengruppen, die sich auch mal überschneiden, wird im Diskurs schnell polemisch und politisiert. Übrigens: einer der opportunistischen Definitionen von “Flüchtling” ist die vererbbare Variante bei den sogenannten arabischen Palästinensern (Ai Weiwei!). Absurd wird das Ganze, wenn Asylbewerber und Geflüchtete dem brutalen Verfolgerstaat Besuche abstatten. Dabei werden manche Begriffe in die Lächerlichkeit gezogen. 

Natürlich wollen manche Auswanderer zurückgelassenen Angehörigen helfen. Mit Geldtransfers wird das schwierig, wenn die Regierung in dem Land, aus dem man gerade entkommen ist, kriminell ist. Während des Zweiten Weltkrieges wurde wie viel finanzielle Hilfe von Flüchtlingen an Familienmitglieder und Freunde in der Heimat geleistet? Dass die Nazis damals solche Geldüberweisungen im Blick hatten, ist sicher. Daher dürften die heutigen Flüchtlinge kaum Geld an Angehörige schicken können, besonders wenn die Banken im Heimatland wegen Krieg physikalisch nicht mehr vorhanden sind.

Im letzten Sommer beim Autofahren durch das progressive Vermont, hörte ich den Sender NPR (National Public Radio) an. In einer Sendung wurde über Direktzahlungen an Dorfbewohner vor Ort in einem afrikanischen Land berichtet. Es handelte sich um das bedingungslose Grundeinkommen. Das Programm wurde in der Tat professionell koordiniert und begleitet. Die Bewohner, die mehrheitlich eine Lebensverbesserung für sich und das Dorf insgesamt mit dem monatlichen Bezug erarbeitet hatten, waren begeistert. Ein solches Programm ist das Gegenstück zu den zufälligen privaten Geldüberweisungen aus dem Ausland, die eventuell zu wirtschaftlichen Verzerrungen auf lokalen Märkten und sogar zu gesellschaftlichen Spaltungen führen könnten. Transfersummen von “Flüchtlingen und Migranten” weltweit von 440 Milliarden Dollar jährlich in die Heimat lassen sich kaum aus “sehr kleinen Beträgen” addieren und erklären. Aus Deutschland wird der weitaus größte Anteil von Geldern in die Türkei und auch osteuropäische Länder geschickt. Eine Aufschlüsselung nach Herkunft und Zweck der Rücküberweisungen wäre entscheidend.

Es gibt allerlei Geldquellen, die jede Bevölkerungsgruppe und Situation betreffen. Überweisungen können Gewinne aus dem Drogenhandel, illegalen Beschäftigungen, Diebstahl, auch natürlich aus versteuerten Einnahmen sein. Dass viel Geld tatsächlich bei Familien in Kriegsgebieten ankommt, ist eher unwahrscheinlich; es gibt auch die Zahlungen an Menschenhändler (z.B. “Reisekosten”), Geldwäsche, Schutzgeldzahlungen, usw.  Ob Moneygram den Herkunft, Sinn und Zweck von Geldtransfers genau weißt?

Sinnvoller wäre es, in Gebieten, die von Armut betroffen sind, Geldtransfers abzufangen und koordiniert durch Micro-Kredite, Direktvergabe à la Grundeinkommen an die richtigen Stellen weiterzugeben. Damit könnte sich eine echte Verzahnung mit Entwicklungshilfen koordiniert und Menschen in ihren gewachsenen sozialen Strukturen geholfen werden.

Dass ich selber Migrant bin, sagt über mich und meine Motive gar nichts aus. Es sagt nichts aus, ob ich mich an einen neuen Ort anpassen kann oder will, geschweige denn, ob ich länger bleiben möchte. Vieles wird vor Ort nach den vorhandenen Gesetzen und von den Lebensumständen geregelt und beeinflußt; daran muss ich mich anpassen oder damit auseinandersetzen. Leider werde ich oft (in Statistiken) mit Migranten in schwierigen (wirtschaftlichen) Situationen und aus ganz anderen Kulturkreisen in einen Topf geschmissen. Ich kenne viele Migranten persönlich, deren Lebensschicksale kaum mit meinem übereinstimmen und höchst unterschiedliche Geschichten erzählen. Die Politisierungen hindern jede angestrebte Objektivität soweit, dass Infragestellen von Pauschalisierungen zu persönlichen Angriffen führen. Es entstehen Eingangssätze wie “Du bist…”, die die Herausforderung einer defensiven Positionierung und einer Ablenkung vom Thema beabsichtigen.

Hier möchte ich hervorheben: Durch ehrenamtliche Arbeit (Krankenhausplanung in Zentralamerika) in einem Entwicklungsland, habe ich – aus einer gesicherten Position –  gesehen, was Armut ist und bedeutet. Auch in Berlin habe ich die komplexen Lebenssituationen von Flüchtlingen, die ich finanziell unterstützt habe, und – ohne jeglichen privaten finanziellen Vorteil – für längere Zeit in meiner Wohnung aufgenommen habe, erlebt.

Es gibt Flüchtlinge, die zwar einem bösen Regime oder Krieg entkommen sind, eventuell noch schlimmeren Gruppen oder politischen Richtungen angehören. Im Zielland hoffen Einheimische, dass solche Fälle durch die Asylgesetze (die in demokratischen Ländern geändert werden können) geregelt werden. Dass friedliche Menschen, die gerade Freiheit erlangt haben, sich irgendwann unvermittelt radikalisieren und Massenmord gegen Menschen im Aufnahmeland üben, ist eine sehr gewagte These. Leider gibt es Flüchtlinge und Einwanderer, die terroristisch handeln. Das sind keine isolierte Akteure, sondern Täter, die sich aus einem bereits vorhandenen gesellschaftlichen Kulturverständnis und unterstützenden Umfeld entstammen. Friedliebende Menschen, die nach Deutschland kommen, verwandeln sich nicht plötzlich in terroristische Antisemiten, Misogynisten und Rassisten. Ob Deutschland Schuld an den Radikalisierungen von Islamisten haben könnte, dürfte höchstens in Zusammenhang mit einer falschen Toleranz gegenüber den radikalen islamischen Vereinen im Inland stehen. Da müssten die Behörden härter durchgreifen.

Bezüglich der Mär, die ein quasi automatisches Reinrutschen in den Drogenhandel bei arbeitslosen Migranten vorlügt, gibt es die fiktive Verwandlung vom Lehrer zum Drogendealer bei “Breaking Bad”. Die Vorlage dient für spannendes Entertainment im Fernsehen. Als Migrant, der öfters durch den Görlitzer Park spaziert, wurde ich bisher von keinem Drogen-Großhändler zur Mitarbeit angesprochen, nicht mal als Lookout.

William Wires
17. Nov. 2017

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Gentrified Oz

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Second Thoughts

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„Then says he wants to lower our taxes,
Then who’s gonna pay for his extravagant trips,
Back and forth with his fam to his golf resorts and his mansions?
Same shit that he tormented Hillary for and he slandered,“
-Eminem, freestyle rap on Donald Trump

Neulich bin ich auf einen sonderbaren Kommentar von Wladimir Kaminer auf seiner Facebookseite (23. August 2017) gestoßen. Darin geht es hauptsächlich um die Kontroverse um englischsprachige Kellner, die ihm in Berlin immer öfters begegnet sind. Daraus – ohne weitere Fakten oder Referenzen – imaginiert er: „Es ist keinesfalls sonderbar, dass immer mehr Amerikaner sich (wegen eines bestimmten ‚Donalds‘) nach einem Job in Deutschland umschauen und zu den Kellnern werden, die nur Englisch können.“

Das macht mich stutzig, weil ich – gebürtiger Amerikaner – seit der Reagan-Era in Berlin-Kreuzberg wohne. Eine merkliche Zunahme von Amerikanern, aber auch vielen anderen Nationalitäten – inklusive englischsprachigen Engländern und Australiern – , nehme ich seit ungefähr zehn Jahren wahr, und das, eher in Zusammenhang mit den regionalen Krisen in der Europäischen Union und auch wegen der zunehmenden Mobilität weltweit. Deutschland, speziell Berlin, ist noch hipp und relativ günstig, und hat eine vergleichsweise funktionierende Infrastruktur. Wie viele Amerikaner tatsächlich in Deutschland bleiben und Steuern zahlen, ist schwer zu bestimmen. (Ich habe keinerlei Daten dazu gefunden.) Nicht alle in Deutschland applaudieren Unternehmer-Geist: In meiner Kreuzberger Nachbarschaft wurde neulich eine gastronomische Entrepreneurin aus Brooklyn von lokalen „Aktivisten“ angefeindet und sogar attackiert. Die junge Frau ist Anfang der Obama-Jahre aus den USA ausgewandert.

Beim Googeln fand ich die rührende Geschichte eines geltungssüchtigen Pärchens aus den USA. Wie Carry und Bryan Howell mit Klischees hantieren ist leider typisch amerikanisch: kein Tempolimit für Fahrradfahrer, „gut organisierte“ Deutsche in Marxloh und in Neukölln, jeden Tag „Einkaufsparadies“ bei KaDeWe. Wenn sie nach Deutschland ziehen, wäre es wahrscheinlich, dass Berlin ihr Ziel ist. Ob die beiden tatsächlich umziehen, ist journalistisch nicht vom Belang. Über Eines müssen sie sich bewusst sein: fünf Hektar Grundstück und ein Haus mit 280 qm, wie ihr derzeitiges Domizil, werden sie nicht finden. Der Hausverkauf in Kentucky wird nicht viel abwerfen, wird aber für um die 100 qm Wohnfläche in Prenzlauer Berg reichen. Die politischen Ansichten der neuen Nachbarn wird bestimmt ihren entsprechen, besonders im Bezug auf die Bienenzucht-Sucht von Bryan.

Wie Carry und Bryan haben auch prominente Amerikaner versprochen, nach der Wahl von Trump zum Präsident die USA umgehend zu verlassen, ob aus Angst vor einem neuen Reich mit Vernichtungslagern oder vor dem Aufstieg einer Klasse von Amerikanern, die an Promi-Talkshow-Gefasel nicht interessiert sind. Letzteres ist natürlich eine nicht hinnehmbare Art von Antiintellektualismus.

Man sollte eigentlich nicht so hämisch reagieren: Es ist wirklich bereichernd, aus der Tür zu gehen, aus der eigenen Echo-Chamber, in die weite Welt zu gehen. Die privilegierten Entertainer machen das, kehren aber immer zu ihren abgeschirmten Wohn- und Party-Anlagen in California zurück. Hinter den von bewaffnetem Security-Personal geschützten Mauern, haben sie den Luxus zu reflektieren. Und das haben praktisch alle, die vorschnell geblökt haben, getan. Ein Anruf vom Steuerberater genügt, um die leeren Köpfe wieder zu füllen. Dazu winkt Donald mit Steuererleichterungen!

Sehen Sie: Carry und Bryan wissen es wahrscheinlich noch nicht, aber der damalige Präsident Obama hat für noch strengere Steuergesetzen gegenüber Fahnenflüchtigen schon vorgesorgt: US-amerikanische ExPats bleiben im Ausland dem IRS gegenüber steuerpflichtig und müssen dann alle ihre Bankkonten und Besitztümer der US-Regierung jährlich preisgeben. Und wenn sie ihre Staatsbürgerschaft abgeben sollten, wird unter Umständen eine einmalige Exit Tax (vergl. deutsches Reichsfluchtgesetz) erhoben und ihre Namen in einem offiziellen „Name and Shame“ Regierungsblatt veröffentlicht.

William Wires, 12. Oct. 2017

——————————– English translation below by me————————————–

Recently I came across a strange Facebook commentary by Vladimir Kaminer (August 23,2017). It’s mainly about the controversy surrounding English-speaking waiters, which he encounters more often in Berlin. Without any further facts or references, he’s  „surprised that an increasing number of Americans are looking for a job in Germany (because of a certain‘ Donald‘) and become waiters who can only speak English.“

That makes me wonder, because I have been living in Berlin-Kreuzberg since the Reagan era. There has been a noticeable increase in the number of Americans, including other English-speaking nationalities – i.e. Englishmen and Australians – for about ten years now, more in connection with the regional crises in the European Union and increased mobility worldwide. Germany, especially Berlin, is still hip and relatively cheap, and has a comparatively well-functioning infrastructure. How many Americans actually stay in Germany and pay taxes is difficult to determine. (I haven’t found any data on this.) Not everyone in Germany applauds entrepreneurial spirit: In my neighborhood in Kreuzberg, an immigrant from Brooklyn, who opened a restaurant, was recently the victim of hostile local „activists“ and even attacked. Restaurant windows were smashed during opening hours. The young woman had left the United States in the early Obama years.

While googling I found the touching story of a publicity-seeking couple in the USA. How Carry and Bryan Howell spew out clichés is unfortunately typically American: no speed limit for cyclists,“well-organized“ German neighborhoods in Marxloh and in Neukölln, every day a „shopping heaven“ at KaDeWe. If they move to Germany, Berlin would probably be their destination. Whether the two of them will actually move is not important for the journalistic integrity of Stern magazine. However, the couple should be aware of one thing: they will not find five hectares of land and a house with 280 sqm, like their current domicile, in any gentrified neighborhood. The house sale in Kentucky  should provide funds for about 100 sqm of living space in the appropriate upscale neighborhood of Prenzlauer Berg. The political views of their neighbors will certainly correspond to theirs, especially with regard to the beekeeping addiction of Bryan.

Like Carry and Bryan, prominent Americans have promised to leave the United States immediately after Trump’s election as US-President, whether for fear of a new Reich with extermination camps or for the rise of a class of Americans who are not interested in celebrity talk show drivel. The latter is, of course, an unacceptable form of anti-intellectualism.

One shouldn’t really be so critical: It really is mind-bending to leave the homestead, to leave your own echo-chamber and go into the wide world. The privileged entertainers do that, but always return to their sheltered residential and party facilities in California. Behind the walls protected by armed security personnel, they have the luxury to reflect. A phone call from the tax advisor is all it takes to fill the empty heads again with common sense. Donald is already waving with tax breaks for the returnees who never really left!

You see, Carry and Bryan probably don’t know it yet, but President Obama has already set up additional tax laws for unpatriotic turn-coats. ExPats already remain taxable to the IRS wherever they reside and they will also be required to disclose all their bank accounts and assets to the US government each and every year. The USA is the only country with a citizenship-based system of taxation.  And if they should surrender their citizenship, a one-time exit tax (in German: Reichsfluchtgesetz) will be levied, and their names published in an official „Name and Shame“ government journal.

 

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