Neid und Freiheit

City Chicken

„Grüße aus der Sonnenallee“ 2012 oil painting 50/40 cm

Erschienen in „Der Kreuzberger“, 22. Ausgabe, Januar/ Februar 2013

Neid, Moral und Gerechtigkeit sind schwammige Begriffe, die gern in der Öffentlichkeit, speziell im politischen Diskurs und in den Medien, eingesetzt werden. Sie führen zur Aufspaltung der Gesellschaft und dienen zweckbestimmten Manipulationen.

„Das Gefühl des Neides diene somit primär nur der Befriedigung der eigenen egoistischen Bedürfnisse und weniger einem allumfassenden Wunsch nach Gerechtigkeit. Neid in Form des Verübelns der Besserstellung Anderer bei gleichzeitigem Begehr desselben Status für sich erfülle damit die Kriterien der Doppelmoral,“ sagt der Zürcher Ökonom Ernst Fehr.

Es reicht nicht, dass unversteuertes Geld in der Schweiz aufgedeckt wird. Für viele vermutlich „ehrliche“ Steuerzahler, ist es noch wichtiger, die Namen von privaten Kontobesitzern, abgesehen von der Pflicht gegenüber deutschen Finanzämtern, öffentlich zu erfahren. Ungeachtet dessen, ob in manchen Fällen die Gewinne bereits versteuert sind und diese ihre Privatsphäre schützen möchten. Ungeachtet dessen ob diejenigen, die die Bankkonten CD’s kopieren, den einen oder anderen erpressen oder sich für Wirtschaftsspionage von der Konkurrenz belohnen lassen. Glaubt wirklich jemand, dass sich Kontoinhaber mit Geld aus illegalen Geschäften selbst anzeigen, bzw. sich nicht schon lange aus dem Staub gemacht haben? Warum nur dort mit der Namensnennung von (vermutlichen) Gesetzesbrechern halt machen? Die Namen von allen Verdächtigten könnten veröffentlicht werden, z.B. von Schwarzfahrern, Schwarzsehern, schwarzen Drogenhändlern.

Neid ist selbstzerstörerisch: „Die Wirtschaftswissenschaftler Daniel Zizzo und Andrew Oswald von der Universität Warwick wiesen in einem computersimulierten Glücksspiel nach, dass nahezu zwei Drittel aller Teilnehmer Gebrauch von der Option machten, unter Einsatz eines Teils ihrer Gewinns andere finanziell zu schädigen, obwohl sie dabei die Hälfte der ausgeschütteten Gewinnsumme verloren. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Ergebnisse 2001 schrieben Zizzo und Oswald: „Unsere Experimente messen die dunkle Seite der menschlichen Natur.“

Statt als Moralisten voller Neidgefühle die aufgespaltete Gesellschaft aufrecht zu halten, könnten wir uns mehr für die persönliche Freiheit und Toleranz einsetzen. Die Neiddebatte lenkt von Systemkritik ab.

Das alles leitet mich zum Wirtschaftsmodell des „bedingungslosen Grundeinkommens“ als Lösungsansatz nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch als Möglichkeit zur Schaffung einer zivilen Gesellschaft für alle. Die Kernidee ist, dass jedem Bürger von der Geburt bis zum Tod die Teilhabe am Wirtschaftsleben durch ein Bürgereinkommen gewährleistet wird. Viele staatliche Programme wie Hartz IV, Wohngeld, Kindergeld, Mindestrente u.ä. führen bereits in diese Richtung. Nur die staatliche Lenkung dieser Programme erzeugt Neid und Demütigung in der Bevölkerung sowie aufgeblähte bürokratische (gleichzeitig gesellschaftlich unproduktive) Strukturen. Der damit einhergehende Bürgerfrust dient dem übermäßigen und manipulativen Machterhalt politischer Parteien und der Medien. Effektiver wäre es, die oben genannten staatlichen Programme in einem bedingungslosen und gegen die Armut effektiven Grundeinkommen zu vereinen. Dazu gehörte auch ein verständliches und weitgehend neutrales Ver-„steuerungs“-system, das bezüglich Lenkungen in kulturellen und sozialen Bereichen zurückhaltend agiert und den Kulturschaffenden deutlich mehr Freiräume schafft. Damit würde auch der gegenwärtigen realwirtschaftlichen Entkopplung von Arbeit und Entlohnung begegnet. Götz Werner („1000 Euro für jeden“), ein großer Verfechter des Grundeinkommens, befürwortet sogar ein komplett anonymes Versteuerungsmodell, wobei erst am Ende des Wertschöpfungsprozesses eine Verbrauchersteuer erhoben wird.

Die Aufgabe des Staates sollte darauf beschränkt werden, die gleichen sinnvollen Ausgangsvoraussetzungen („level playing field“) zu gewährleisten, damit alle Bürger Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit („life, liberty and the pursuit of happiness“) erreichen können.

William Wires, 18. Dez. 2012

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