Lebenslauf / Statement

William Wires

Falckensteinstraße 18
10997 Berlin

Tel.: 030/ 618 22 35
E-mail: wireswilliam@gmail.com
http://www.williamwires.com

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Lebenslauf

1957         geboren in Newark, New Jersey, USA
seit 1981 in München wohnhaft
seit 1983 in Berlin wohnhaft

Studium

1975 – 1976 Art Institute of Boston, Massachusetts, USA
1976 – 1979 Museum School of Fine Arts, Boston, Massachusetts, USA
1978               Nova Scotia College of Art and Design, Halifax, Kanada
1979 – 1980 Tufts University, Medford, Massachusetts, USA, Bachelor of Fine Arts (BFA)
1983 – 1988  Technische Universität Berlin, Diplom in Architektur
1988                Abschluss des Architekturstudiums: Planung eines Ersatzbaues für ein Akutkrankenhaus, Hospital Bernardino Diaz Ochoa in Granada, Nicaragua

Berufliche Erfahrung

1981 – 1982 Drucker in einer Werkstatt für Druckgrafik, München
1983              Entwurf und Ausführung der gemalten Dekoration für den Karneval im Hofbräukeller, München
seit 1983      Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler (BBK), Berlin
seit 1983      Malreisen nach Griechenland, Irland, Marokko, Italien, Spanien, Türkei, Polen und in die USA
1986               Entwurf und Ausführung eines Wandbildes am Wassertorplatz (Kunst am Bau), Berlin
1984 – 1994  Freie Mitarbeit in Architektenbüros in Berlin, Boston, USA, und in Madrid, Spanien
seit 1989        Freier Illustrator für verschiedene Design-Agenturen sowie für Investoren und Architekten (perspektivische Darstellungen für Bauprojekte und Werbung)
1994 – 1996   Partner im Architekturbüro Strüwing, Papke + Partner, Architektengesellschaft mbH, Berlin
1998 – 2011   Lehrbeauftragter an der Beuth Hochschule für Technik, Berlin, FB Architektur, „Freies Zeichnen“ und „Einführung in die Radierung“
2004                Entwurfs eines Einfamilienhauses in Tallinn, Estland (erbaut 2005)
seit 2009       Regelmäßige Kolumne in der „Der Kreuzberger“, Stadtteilzeitung zur Kultur

Ausstellungen

04/ 2016 Teilnahme an „April, April“, Petersburger Raum für Kunst, Köln
11/ 2015 Teilnahme an „Schöneberger Art 2015“, Zwitschermaschine | Potsdamer Str. 161
12/ 2014 Einzelausstellung von Ölbildern, Klötze und Schinken, Berlin-Neukölln
09/ 2013  „Ce n’est pas une infirmerie“, Teilnahme an „Art Kreuzberg“, Ausstellung von Ölbildern bei Lekkerurlaub, Berlin-Kreuzberg
06/ 2013  „Bohei in Neukölln“, Teilnahme bei „48 Stunden Neukölln“, Bohei Shop
03/ 2013  Teilnahme an „Zerstörte Vielfalt“ im Berliner Rathaus, Werner-Viktor Toeffling Stiftung
09/ 2012 „Just Another Lost Soul“, Teilnahme an „Art Kreuzberg“, Ausstellung von Ölbildern in der Rosegger Schule, Berlin-Kreuzberg
05/ 2012 „Confronting Comfort“, Einzelausstellung von Ölbildern, RUTIL Raum für Malerei, Berlin-Kreuzberg
03/ 2012 Teilnahme an „Berliner Impressionen“ im Berliner Rathaus, Werner-Viktor Toeffling Stiftung
09/ 2011 „Urban – Painting“, Teilnahme an „Art Kreuzberg“,, Ausstellung von Ölbildern in der Kapelle am Urban, Berlin
11/ 2010 „Nest = Kiez“, Einzelausstellung von Ölbildern, Galerie von Cafe Nest, Berlin
10/ 2009 „Graefe-Kiez“, Einzelausstellung von Ölbildern, Buchladen Nimmersatt, Berlin
12/ 2008 „Company“, mit Jan Ulrich Schmidt, et al, Galerie Erhard Witzel, Wiesbaden, im Katalog
05/ 2007 „Mal den Teufel an die Wand „, Workshop, 33. Open Ohr Festival, Mainz
04/ 2007 „Neuer Garten“, Einzelausstellung von Aquarellen, Cecilienhof, Potsdam
04/ 2007 „Gesichter von Potsdam“, Einzelausstellung von Ölbildern, Hotel Ascot-Bristol, Potsdam
06/ 2004 „Industrial Landscapes“, mit Eici Sonoda und Mike Corkill, Kunst im Foyer, GSW, Berlin
12/ 2002 „Mediterrane Landschaften“, im Rathaus Gerstetten
2002 – 2004 Galerie Kraftwerk, Berlin, Teilnahme an diversen Ausstellungen
03/2002 Einzelausstellung von Aquarellen, Vivantes Klinikum Am Urban, Berlin
09/2001 Einzelausstellung von Aquarellen, Sorat Hotel Brandenburg (organisiert durch das Brandenburg Amt für kulturelle Angelegenheiten)
2001 – 2003 Galerie Classico, Berlin, Teilnahme an diversen Ausstellungen
12/ 2000 „Dezember Salon“, Galerie Taube, Berlin
06/ 2000 Hotel Kempinski/ Bristol Bar, Berlin, Einzelausstellung von Aquarellen
05/ 2000 „Telefon“, Postfuhramt Berlin/ Berlikomm, Ausstellungsteilnahme, im Katalog.
10/ 1999 Einzelausstellung von Aquarellen im Büro von Sternal & Kollegen, Berlin
04/ 1999 Einzelausstellung von Aquarellen im Büro von Küpper & Partner, Berlin
02/ 1993 Galerie Arthothek, Berlin-Treptow: Ausstellung mit Alfred Ullrich
12/ 1989 „Giebelphantasien“, eine Buchveröffentlichung über Wandbilder in Berlin mit einer Ausstellung in der „Naunynritze“
08/ 1987 Galerie „Piek und Fein“, Berlin, Ausstellung mit Alfred Ullrich und Libor Pichl.
04/ 1983 Einzelausstellung von Zeichnungen und Radierungen, Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, München

Ankäufe, Öffentliche Sammlungen

Ospedale Italiano di Lugano, Schweiz
Herzzentrum, Rudolf-Virchow-Krankenhaus, Berlin
Graphothek, Berlin – Reinickendorf
Artothek, Berlin – Treptow
Vivantes Klinikum Am Urban, Berlin
Zentral-und Landesbibliothek/ Amerika-Gedenkbibliothek, Berlin

Veröffentlichungen und Interviews

2016 „William Wires malt das vermeintlich Banale„, von Annette Kuhn, Berliner Morgenpost, 23. März 2016
2016 „Kiez in Öl“, TIP Berliner Stadtzeitung 5/16, Eva Apraku
2015 Interview mit Julia Wernicke, „Seine Kunst macht ihn zum Hopper vom Wrangelkiez„, Qiez.de, 15. Dez. 2015
2015 Einblick (573), Tageszeitung (taz), 28. Mai 2015,
2013 Abbildung von vier Kollagen in einer Publikation des Quartiersmanagements Düttmann-Siedlung, „Lebensart“, Ausgabe 16, Winter 2013
2013 Interview in der Zeitschrift „Garçon“ in Zusammenhang mit einem Bericht über die Bäckerei „Beumer & Lutum“ und meiner vor Ort geschaffenen Ölbildserie, 23 Okt., 2013,
2012 Abbildung von zwei Ölbildern (Graefe-Kiez), Tageszeitung (taz), 3.4. November 2012, S. 37 u. 41.
2012 Interview mit Dieter Haehnel, in der Reihe „Kiezköpfe„, Infothek 88vier, 7. Sept. 2012
2012Heute hier, morgen dort: das Freiluft-Atelier von William Wires„, FACETTEN-Magazin, 22. Mai 2012
2012Der Kiez-Maler“ von Frauke Hinrichsen, rbb-zibb, 15. Mai 2012
2012Frittenbude in Öl“ von Frauke Hinrichsen, Berliner Zeitung, 14. Mai 2012
2012 Rutil, Gespräch mit dem „Kunstkontakter“ (Konstantin Schneider), 11. Mai 2012
2011 Erschienen in „Ein Magazin über Orte“, No.9 „Berlin“, (Herbst 2011), Hrsg.: Elmar Bambach / Julia Marquardt / Birgit Vogel.
2011Wszasy ze Stzalugą“, Szczecin Kurier, 31. Aug. 2011, Julianna Rogowska.
2010Portrait eines Kreuzberger Kiezmalers: Kotti in Öl“ – Tageszeitung (taz), 15. Dezember 2010.
2010 Wrangelkiezblatt, No. 38 Sept.-Nov. 2010.
2010 „Kiezbilder über’m Nest“, Interview im Radio, Infothek 88vier, 17. Nov. 2010.
2010 „Unterschichtenreport“, ein Porträt von William Wires von Günter Rohleder,
WDR 3, 29. März 2010.
2009 Erschienen in „24h Berlin. Ein Tag im Leben“, Gerhard Steidl Druckerei & Verlag GmbH & Co. OHG, Sept. 2009.
2009 Erschienen in „Kowalski trifft Schmidt“, rbb, 6. Sept. 2009.
2009William Wires maluje OBRAZY na ulicy Wajdeloty” von Andrzej Augusiek
2008 Erschienen in „Ein Tag im Wrangelkiez“, einen Dokumentarfilm von Roman Pernack und Christian Ottow
2008Amerykanin, ktorý maluje Stacje SKM” von Lukasz Stafiej, MM Moje Miasto Trójmiasto, Gdansk/ Danzig, Polen.
2008 Erschienen in „Magic Beton“, Lichtspiele Filmproduktion, Mainz.
2008 „Company“, Ausstellungskatalog, mit Jan Ulrich Schmidt, et al., Galerie Erhard Witzel, Wiesbaden.
2006 „Der Amerikaner am Kanal, Dieter Brookmann besucht den Maler William Wires im Graefekiez“, Kiez und Kneipe, Lokalblatt und Wirtschaftszeitung, Sept. 2006, 1. Jahrgang.
1993 „Wer einmal Bilder borgt, bleibt auch dabei“ (zur Ausstellung im Artothek Berlin-Treptow), Neues Deutschland, Ausgabe Nr. 029 vom 4.2.1993, S. 12
1989 „Giebelphantasien: Berliner Wandbilder“, von Norbert Martins, Hrsg.: HetStein, ISBN 3-926976-07-1

Statement

Kurz nach meinem Abschluss an der Museum School of Fine Arts in Boston im Jahre 1980 zog ich nach München und arbeitete hauptsächlich im Bereich der manuellen Druckgrafik. 1983 entschloss ich mich in die damals noch geteilte Stadt Berlin um zu ziehen, wo ich ein Architekturstudium aufnahm. Während meines Studiums lebte und arbeitete ich im edlen Sanierungsprojekt Wassertorplatz in Kreuzberg. Nach dem Architekturstudium 1988 war ich primär als Architekt tätig; nebenbei führte ich diverse Illustrationsaufträge aus. Zehn Jahre später begann ich eine Lehrtätigkeit im Bereich Präsentation und Perspektive an der Beuth Hochschule für Technik. Währenddessen entdeckte ich die Malerei wieder: Zuerst Aquarell- und wenig später die Ölmalerei. Anschließend an Aquarellreisen mit Studenten, wurde ich durch mein Wohnumfeld, den Wrangelkiez, inspiriert.
Durch meine Malerei, die immer direkt am Ort des Geschehens, auf der Strasse und auf öffentlichen Plätzen stattfindet, habe ich eine Haltung entwickelt, die mein räumliches Wissen und meine gesellschaftliche Interessen kombiniert.

Bevor ich jedoch die Malerei vor Ort intensivierte, hatte ich mehrere Serien von Collagen aus Foto-Fragmenten auf Brettern arrangiert und malerisch ergänzt. Das fotografische Element weist dabei auf den Zeitverlauf hin, während das malerische Element den perspektivischen Raum erweitert.

In meinen Aquarellen und Ölbildern erkunde ich lokale urbane Zusammenhänge. In Serien angeordnet geben die Bilder universelle Themen preis. Die architektonische Umgebung und sogar Ladenfronten offenbaren menschliche Situationen, Konflikte und Ironien, die manchmal eher auf lokaler Ebene verstanden werden können. In meiner Serie „Wrzeszcz“, die sich mit einem Stadtteil von Danzig, Polen beschäftigt, schildert das Gemälde „Ul. Jozefa Hallera “ einen auffallenden Individualismus in einer post-kommunistischen Gesellschaft. In „Wasserschutzpolizei“ sind Container mit unbekanntem Inhalt hinter Booten der Hafenpolizei gestapelt. Das Bild „Komfort“ (= Bequemlichkeit, Trost) ist von Edward Hoppers „Early Sunday Morning“ inspiriert und verweist auf ironische Weise auf die prekäre Situation der Ladenbetreiber angesichts der Gentrifizierung.

Für mich ist das Malen vor Ort in einer realistischen Weise eine ständige Herausforderung wegen des Wetters, der sich ändernden Lichtverhältnissen und der Gespräche mit Bewohnern. Für die Öffentlichkeit ist das Malen vor Ort ein besonderes Ereignis, da viele Künstler in einem Atelier arbeiten. Außerdem stellt sich im Realismus das Problem, dass anscheinend leicht zugängliche Kunst als „gefällig“ verstanden werden kann. Meine Absicht ist nicht zu belehren, sondern eine Beobachtung oder Meinung mitzuteilen, d.h. die Aufmerksamkeit auf Aspekte, die vielleicht übersehen worden sind, zu lenken. Die Realität, in einem vom Künstler bewusst gewählten Ausschnitt zusammen mit der Bildkomposition kann eine Fülle von Informationen kommunizieren.

Während ich vor Ort male, bin ich direkt mit der Kunstkritik und der Lokalpolitik von sachkundigen und interessierten Personen konfrontiert, aber auch von Personen, die keinen wirklichen Kontakt mit der professionellen Kunstwelt haben. Durch meine Malerei, erlebe ich die Gesellschaft an der Basis und bemühe mich, diesen Aspekt in meine Arbeit zu integrieren. Auf diese Weise hat meine Arbeit eine Affinität zu den Zielen der Ashcan School, die die tägliche Realität des urbanen Lebens offenbarte.

In den vergangenen fünf Jahren habe ich u.a. an den folgenden Serien gearbeitet:

• „Strandbar“: Party und Freizeit am Spreeufer im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg.
• „Gesichter von Potsdam“: Preußische Gärten, Hafenruinen, und einige Veränderungen seit dem Fall der Berliner Mauer.
• „Mainz-Neustadt“, der Niedergang eines Containerhafens und des historischen Hafenviertels.
• „Spreeufer“: Barrieren und öffentliche Unzugänglichkeit entlang des Spreeufers in Friedrichshain-Kreuzberg.
• „SKM“: öffentlicher Verkehrsystem des Tri-City-Bereichs, Gdynia, Sopot und Danzig, Polen.
• „Wrzeszcz“: ein Stadtteil von Danzig im Wandel.
• „Wrangelkiez“: eine fortlaufende Serie, die den Wandel und den Alltag in meiner Nachbarschaft in Kreuzberg umfasst.

Auszug aus „Zimmerbilder mit eigenen Realitäten und Zeiten“
Laszlo Kerekes, März 2001

Bill Wires ist nicht nur Künstler, sondern gleichzeitig auch immer Architekt. Sodass er sich im tiefsten Wesen seiner Sichtweise von etwas bestimmen lässt, was man architektonische Logik nennen kann. Diese spezifische Qualität, die in allen Disziplinen seiner bildlichen Darstellungen erfahrbar ist, kann man auch durch die Wirkung seines anspruchsvollen handwerklichen Perfektionismus schon auf den ersten Blick erkennen. Neben seinen Fotografien malt er realistische Aquarelle, die meistens unterschiedliche stadtarchitektonische Motive repräsentieren. Ihr entscheidender Charakter besteht darin, dass die Ausführung nie in spielerisch- koloristischen Übertreibungen endet, weil sie immer in erster Linie erstaunliche freihandliche Kompositions- und Perspektivenstudie ist.

Wires beschäftigt sich ähnlich wie die alten Meister analytisch mit der architektonischen Plastik, wie ein Kameramann, der seine Ausschnitte genau mit dem Visier definieren muss. Es ist auch nicht unwichtig, dass er ausgebildeter Spezialist für klassische Grafiktechniken ist. In Wires Radierungen sind thematisch hauptsächlich Baukonstruktionen verarbeitet. Beispielsweise hat er Schwarzweißgrafiken realisiert nach Skizzen, die er vorher von den Fundamenten des Potsdamer Platz-Komplexes aufgenommen hatte. Die Formen sind hermetisch reduziert, und die Objekte der Realität erscheinen, als ob sie zur Zivilisation eines anderen Planeten gehörten. (…)

Auszug aus „Der Kreuzberger“ (3. Ausgabe, Aug. 2009), William Wires

„Bist du Künstler?“ „Was malst du?“ „Verkaufst du das Bild?“

Das sind die häufigsten Fragen, die mir während des Malens vor Ort gestellt werden, meistens von Kindern. Es sind komische Fragen, da ich einen Pinsel in der Hand halte und vor einer Staffelei stehe. Es sind aber auch Fragen, die vielleicht viele Maler beschäftigen. Es ist auch ungewöhnlich einen Maler auf der Straße bei der Arbeit zu sehen, da heutzutage die meisten Künstler in einem Atelier arbeiten. Ich male fast immer draußen, um eine gewisse authentische Realität malerisch einzufangen. Zu groß ist die Gefahr, dass bei mir ein Bild wie ein abgemaltes Foto, gefroren in der Zeit, oder wie eine Illustration erscheinen könnte. Warum ich eine bestimmte Situation male, hat unterschiedliche Gründe –formale Gründe, da mich bestimmte Farben, Licht oder eine Perspektive interessiert, inhaltliche Gründe, wenn mir eine bestimmte Nachricht durch Hörensagen und Wandanschläge oder aus den Kiez-Zeitungen bekannt wird, und auch thematische Gründe. Manche Themen sind von lokaler Bedeutung, andere beziehen sich auf eine gesellschaftliche Problematik. (…)

Ich male auf eine traditionelle realistische Art, die einem allgemeinen Publikum relativ schnell zugänglich ist. Bei meiner Freiluft-Malerei gibt es keinen zwingenden Grund eine formalistische Sprache zu erfinden; meine Intention ist eher bei dem, was ich male. Viele Bilder sind Portraits von einzelnen Läden und zeigen eine Vielfalt an Fassadengestaltung und Repräsentationswille. (…)

Durch die Nachrichten, Graffitis und Anschläge erfuhr ich über einen Angriff auf den Geschmack und die kulturellen Sensibilitäten einiger Wrangelkiezbewohner – eine McDonald’s Filiale zieht in den Kiez ein. Ein Tag vor der Eröffnung der „Fremdlinge“ in der Wrangelstraße, war ich mit meiner Staffelei und Farben vor Ort. Vielleicht war ein wenig Sensationslust dabei – das große Ereignis stand bevor. Komisch, dass das Bild unspektakulär und relativ düster geworden ist. Die Auszubildenden der nah gelegenen Berufsschule fanden mein Sujet witzig – und nach der Eröffnung entdeckten sie ihren großen Appetit auf Hamburger. (…)

Eine andere Serie von Bildern, inspiriert von der Volksbefragung zur Nutzung des Spreeufers, befasst sich mit den Absperrungen den Fluss entlang. Ich habe viele der Zäune und Kontrollpunkte in den jeweiligen „idyllischen“ Szenerien gemalt. Tatsächlich entstehen solche Serien im Laufe der Zeit automatisch. Durch das Zusammenstellen von Bildern in Serien werden sozial-politische und urbane Themen sichtbar. (…)

Viele Betrachter sehen durch meine Bildausschnitte Gewohntes mit neuem – malerischem – Blick. Die Fokussierung entlarvt bislang unerkannte Realitäten. Einige erkennen nicht mal Kreuzberg in manchen Bildern: „Es war mir vorher nicht ganz bewusst, in was für einer schöne Nachbarschaft ich seit langem wohne!“ Ich bemühe mich streng an das Gesehene zu halten, obwohl ich Graffiti, Autos und Menschen schon mal rauslasse, da diese die Komposition oder Farbigkeit stören können. Vor Ort, wo Eindrücke frisch sind, muss nichts erfunden oder interpretiert werden.

Da ich seit 20 Jahren im Wrangelkiez wohne, – die letzten Zehn male ich auf der Straße – sind viele meiner Bilder historisch geworden. „Spiel & Spaß“, ein Ölbild von der Ecke Falckenstein- und Schlesischer Straße, ist einige Tage vor den Umbauarbeiten für Subway entstanden. (Nun ist Subway verschwunden.) Seit der Entstehung des Ölbildes „Komfort“ hat sich die Ladenkonstellation geändert.
Das Bild „Oberbaumdreieck“ soll das schöne Existierende zeigen: Eine Brandwand, ein Passfoto-Automat und einige Bäume. Wollen die Kiezbewohner, dass das alles einem großen Hotel weicht? Im Bild „Öko-Sanierung“ steht die Frage, was wird aus dem Haus an der Ecke Wrangel- und Cuvrystraße? Aus den Bewohnern? Die Individualität der Bewohner des Hauses sieht man an den Balkonen. Vor dem Haus steht eine grüne Glassammeltonne. Ein Graffiti-Gesicht ganz oben winkt mit dem Arm von der Hauswand als sage es „Tschüß“.

Es kann sein, dass viele denken, ich wäre nur im Wrangelkiez als Maler aktiv. Das denken auch manche im Graefe-Kiez, oder in der Mainzer Neustadt, in Tallinn/ Estland, und in der Drei-Städte Gegend von Gdynia-Sopot-Gdansk/ Polen. (…)