Drinnen und Draussen

Erschienen in „Der Kreuzberger“, 23. Ausgabe, März/ April 2013

Es kommt vor, dass ich, wenn ich tagsüber draußen male, hinter den Fensterflächen ein wenig Innenleben andeute. Wenn die Sonne auf die Fassaden strahlt, erscheint es in den Räumen ziemlich dunkel. Abgesehen von den sichtbaren Auslagen in Schaufenstern, stechen längliche Leuchtrohre und Punktbeleuchtungen in grellem Gelb-Weiß heraus.
In den Bildern von Edward Hopper, die Innenräume von draußen zum Thema haben, steht der Betrachter fast immer im Dunklen. Die nächtliche Einrahmung eines Fensters repräsentiert ein Bild in einem Bild. Das schafft auch die in Hoppers Bildern oft empfundene Distanz zum Geschehen. In solchen Bildern passiert nicht viel, sie wecken aber nicht zu beantwortende Fragen bei den Betrachtern. Fensterrahmen signalisieren trennende Glasflächen, die aber auch draußen und drinnen verbinden. Bei der Wahrnehmung wird sehr viel vor angenommen.

Die oben abgebildeten vier Ölbilder sind Teil einer Serie von 12 Bildern. Ob 12 Bilder vom gleichen Fenster eine Geschichte erzählen, ist mir noch nicht bewusst. Eine Geschichte wird angefangen und die aktiven Betrachter bemühen sich diese fortzusetzen. Viele Kunstwerke versteht man sowieso nicht auf Anhieb. Nach einem gewissen zeitlichen Abstand, kann ein Kunstwerk doch einige neue Inhalte preisgeben. Ich kann mich mit einer Aussage von Hopper identifizieren: „I am hoping that ideas less easy to define have, perhaps, crept in also“. (Ich hoffe, dass Ideen, die nicht so leicht zu definieren sind, sich doch vielleicht einschleichen.)

William Wires, 26. Feb. 2013

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