Aus dem Bundesministerium für Liebe

 

Hass ist keine Meinung

Das Bundesinnenministerium lässt Außerirdische (Meister Yoda von Star Wars) zu Wort kommen:

„Respektvoll miteinander umgehen ihr müsst. Hass ist keine Meinung, führt zur dunklen Seite der Macht.“

Dass die Bundesregierung eine krypto-religiöse Figur aus einem Fantasiefilm über den Kampf zwischen Gut und Böse zu Wort kommen lässt, ist schon unheimlich. Es erinnert an: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Es ähnelt der abgedroschenen Phrase „Religion des Friedens“.

Es geht aber um Hasskommentare im Netz; diese gibt es reichlich aus allen gesellschaftlichen und politischen Richtungen. Es bleiben aber viele Unklarheiten. Klar ist, dass Hass eine Emotion ist und in definierten Formen strafrelevant ist, z.B. wenn es um Beleidigung und Rufmord geht. Emotionale Aspekte überschneiden sich mit dem Begriff der Meinungsfreiheit, z.B.: Ich hasse es, wenn Leute unter meinem Fenster mitten in der Nacht grölen. Ich hasse eigentlich das Tun und nicht die Menschen, die grölen. Hass kann eine Meinung sein. Ich kann ein Regierungsprogramm hassen, gut heißen, sogar lieben. Diese emotionalen Bewertungen reichen aber meistens nicht aus für sachliche Bewertungen und Diskussionen.

Das Gegenteil vom Hass ist die Liebe, die auch eine Meinung und ein Gefühl ist. Hass und Liebe sind Begriffe, die Philosophen und Künstler seit Menschengedenken beschäftigen. Sie sind grundlegende Gefühlspole, die das Menschsein definieren. „Du musst mich lieben!“, „Ich hasse dich!“ spiegeln Pathos, Emotionen, Gekränkt-Sein.

Ein Bundesministerium ordnet an: „Hass ist keine Meinung“. Leidet die deutsche Bundesregierung insgeheim unter einem Liebesdefizit? Was ist Ihre Meinung dazu?

William Wires. 29. Juli 2016

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2 Antworten zu Aus dem Bundesministerium für Liebe

  1. sandra schreibt:

    Du vergleichst das deutsche Wort Hass mit dem englischen, und das greift daher zu kurz. Ebenso wenig ist der deutsche Ausdruck Liebe mit dem englischen vergleichbar, weil beide Worte auf englisch auch eine abgeschwächte Bedeutung haben. „Ich liebe Brötchen“ , „ich hasse Brötchen“ hat zwar dadurch in der Umgangssprache Einzug gehalten, auf offiziellen Seiten haben die beiden Worte aber noch die originale, und viel stärkere, Bedeutung. Hier also würdest Du die Leute, die laut unter Deinem Fenster sprechen „nicht leiden können“, „es ärgert Dich“ – vielleicht auch masslos. Aber Hass ist jenen vorbehalten, die wirklich körperlich reagieren wollen auf eine extreme Emotion.

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    • William Wires schreibt:

      Was du schreibst, Sandra, stimmt. Damit verfällt mein Argument aber nicht. Man kann die Deutschen und auch Deutschland hassen (im „deutschen“ Sinne). Auch wenn so eine Meinung nachvollziehbar ist, ist sie emotional. Dagegen ist Verleumdung und die Verbreitung von Unwahrheiten eventuell strafbar. Das is eine Sache des Gesetzes und des Gerichtes. Wohin führt das, wenn polizeiliche und gerichtliche Maßnahmen von der Regierung privat geoutsourced werden? Wie kann der Einzelnen sich wehren, wenn ein Ankläger und der Vorwurf nicht einsehbar ist?

      Rassismus und Hass sind Meinungen, nur die erstere ist meistens strafbar, die zweite ein Gefühl.
      Das Gesetz und die Gerichte müssen den Unterschied zwischen Kritik und Verleumdung, Meinung und Hetze entscheiden, auch wenn es für Gerechtigkeit keine Garantie gibt.

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