Jeder in seiner oder ihrer Rolle

Mit einer blonden Perücke und einer schönen verführerischen Stimme sucht Porzia (Janett Bobel) – mit einem deutschen „z“ – einen richtigen Mann. Auf dem Kopf vom Kaufmann, Antonio, erkennen wir den zerzausten Schopf von Donald Trump. Man schmunzelt über seine rassistischen Witze, dürfte aber auch die Verzweiflung von Shylock, dem Juden, erkennen, der trotz Bedenken einen Kredit an den Verfeindeten vergibt.

Kaum zu glauben, aber „Der Kaufmann von Venedig“ wird als Komödie klassifiziert. Lustig ist es nicht, angesichts des aktuellen Antisemitismus. Gerade im Bezug auf den Juden, die es wagen, sich zu verteidigen, richtet sich ein anklagender Monolog an die UN, die Israel mit unvergleichbaren Maßstäben ununterbrochen aburteilt.

Buurmann ist mit Wasser in seinem Element. Doch auch mit Wasser beworfen wird Antonio nicht nüchterner. Im Wasserbecken sieht er seine Schiffe – und seinen Reichtum und seine Kreditwürdigkeit dahinschwinden. Shylock will daraufhin, den vertragsbrüchigen Antonio „hassen“ dürfen. In Deutschland aber wird „Hate“ politisch bekämpft. „Ich hasse Antonio“ kann zu einer Facebook-Sperrung führen. Menschenliebe wird auf das Pathetische reduziert und damit die Wehrhaftigkeit relativiert. „Vergießt kein Blut, sonst fällt dein Hab und Gut.“

 

William Wires, 28. Juli 2016

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