Der Künstler als Joker

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taucht „an wechselnden Schauplätzen im öffentlichen Raum auf (um zu) forschen, lehren und erzählen“, und verirrt sich in einen privaten Laden am Berliner Ku-Damm.

Ein Apple Store ist kein öffentlicher Raum, genauso wie eine Kunstgalerie nicht jedem selbst ernannten Performance-Künstler mit einer „konstruierten Identität“ unabgesprochen und unangemeldet zur Verfügung steht. Bei so einer Aktion mit Dutzenden mitwirkenden Komparsen, welcher Kunde sollte sofort und ohne Zweifel wissen, dass die „Kunst“-Aktion kein Überfall oder gar ein Terroranschlag ist?

Inhaltlich ist der Künstler bemüht, in einer kompulsiven Besessenheit um eine Facebook-Indentität ohne Smartphone bzw. Smartness trotzdem Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So überzeugt ist der Künstler von sich, dass er es sich nicht vorstellen könnte, dass sein plötzliches Auftauchen mit zwei Dutzenden Mitwirkenden, wobei er selbst mit einem nicht sofort erkennbaren zähflüssigen Metall im Verkaufsraum eines Apple Store hantiert, Unbeteiligten in und vor dem Laden irgendwie beunruhigen könnte. In seinem Joker-Kostüm als „Protektorama“ –wie er sich nennt – könnte es Kryptonit sein, was er im Laden verteilt.

Der Künstler beteuert selbstgerecht auf seiner Facebook-Seite: „Die Performance hatte zu keinem Zeitpunkt die Intention oder den Anschein irgendjemanden zu verletzen. Die Tatsache, dass die herbeigerufene Polizei Gespräche über die Natur der Veranstaltung und damit über das mögliche Gefährdungspotential von Anfang an nicht zugelassen hat, hat die Situation aus meiner Perspektive unnötigerweise eskalieren lassen. Die daraus entstandene Evakuierung des Apple-Stores war von mir nicht gewollt.“ Weil er Künstler sei, der sich „in magischer Weise abgelöst von sozialen Realitäten begreift“, ist er nicht automatisch ein glaubwürdiger und edler Mensch.

Wenn seine Arbeiten „zum überwiegenden Teil auf das Stattfinden im öffentlichen Raum angewiesen“ sind, dann soll er dort im öffentlichen Raum – oder einfach zuhause bleiben und „diese Materialien und Körper in Bilder und Situationen (vorher) reflektieren“ und besser planen.

In der Presse: hier und hier.


The artist as a joker

appears „at different locations in public spaces (to) research, teach and tell“, and ends up lost in a private store on Berlin’s Kurfürstendamm.

An Apple Store is not a public space, just as an art gallery is not a place for a self-proclaimed performance artist who may appear suddenly and unannounced with a „constructed identity“. How could store customers know immediately and without doubt that the „art“ performance including dozens of participating extras is not a robbery or even a terrorist attack?

The artist’s self proclaimed purpose is his compulsive obsession to maintain a Facebook or artist identity without a smartphone, or smartness. The artist is so convinced of himself that he could not imagine that his sudden appearance with two dozen assistants and his fiddling with a not instantly recognizable viscous metal in the sales room of an Apple Store could unsettle hundreds of uninvolved persons in and outside the premises.

In his joker costume as „Protektorama“ – as he calls himself – he might be dispersing kryptonite in the store as far as anyone knows! The self-righteous artist asserts on his Facebook page: „The performance had no intention to cause harm to anyone. The fact that the alarmed police were not willing from the outset to discuss the nature of the event, contributed, in my estimation, to an unnecessary escalation. I didn’t want the Apple store to be evacuated.” Just because he defines himself as an artist, who is „magically above and distant from social realities“, he isn’t automatically a credible and noble person.

If his work „depends to a large extent on public space“, then he should stay in public space – or in his own home, and plan more carefully and give better focus to “materials and body in images and situations“.

William Wires, 10. July, 2016

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