Beleidigung

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Bild: Jan Gießmann

Bilder einer Ausstellung werden im Rathaus Köpenick abgehängt.

„Die beiden Akte hätten zu Beschwerden geführt, heißt es. ‚Grund ist, dass es sich beim Rathaus um ein öffentliches Dienstgebäude handelt, das von den Bürgern in erster Linie wegen der Erledigung von Amtsgeschäften und selten gezielt zum Besuch einer Ausstellung aufgesucht wird‘, schreibt Indetzki. ‚Darüber hinaus kommen viele Menschen mit Migrationshintergrund in das Rathaus, deren religiöse Gefühle durch Aktfotos nicht verletzt werden sollen.‘ Sie habe veranlasst, die beiden betreffenden Fotografien zu entfernen.“

Frau Indetzki, ich bin ein Migrant und Sie beleidigen mich. Sie setzen voraus, dass ich mich  in meinen religiösen Gefühlen verletzt fühlen könnte. Ihr Pauschalisieren beleidigt mich.Was für eine Religion vermuten Sie bei mir? Auf welche Religion soll im säkularen Köpenicker Rathaus Rücksicht genommen werden? Ich weiß, es geht nicht nur um mich. Es geht um Sie. Ich staune über Ihr gering-schätzendes Urteilsvermögen bezüglich Kunst und Religion. Sie scheuen sich nicht vor Verallgemeinerungen. Sie beleidigen alle denkenden Menschen.

Da fällt mir noch ein: In den Museen ist Nacktheit in vielen Bildern zu sehen. Gut, dass die Migranten mit religiösen Gefühlen, die Museen nicht besuchen. Whoops, da wird pauschalisiert. Frau Indetzki, schlimm genug, dass Sie nur Amtsleiterin für Weiterbildung und Kultur in Köpenick sind, sonst müssten die Berliner Museen einen Bildersturm erleben.

Der Akt-Skandal von Köpenick: Rathaus schmeißt diese Nackten raus | Berliner-Kurier.de – Lesen Sie mehr hier.

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Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Deutsch, Kunst, religion abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Beleidigung

  1. tapferimnirgendwo schreibt:

    Hat dies auf Tapfer im Nirgendwo rebloggt und kommentierte:
    Der Art des Hauses nicht angemessene Kunst!

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  2. Christian Weiss schreibt:

    Heiko Maas kämpft gegen „sexistische Werbung“, die hier wollen mit einfachen Bildern nackter Frauen Migranten nicht beleidigen. Echt weit hat man es gebracht.
    Demnächst sollte man vielleicht gleich wie in Saudi-Arabien und dem Iran eine Schleierpflicht einführen.

    Gefällt 1 Person

    • William Wires schreibt:

      Die Sache ist, ich bin ein Migrant. In der Begründung der Amtsleiterin wurde nebulös mit Begriffen wie „Migrant“ und „religiösen Gefühlen“ hantiert. Sie kriegt die Sprache nicht raus und diffamiert damit Menschen wie mich und nicht wenigen anderen Menschen als verblödet.

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      • barbwiring schreibt:

        Wenn Sie ein Migrant sind, mein lieber Herr, dann doch nur als Flüchtling aus dem verfickten land of the free…da wo man das f-Wort nicht unsenziert in den öffentlichen Raum sprechen kann, wo freigelegtes “pubic hair” und “female nipples” – wie abgebildet – und Schwänze sowieso, jedliche entsprechende Abbildung aus dem öffentlichen Raum verbannen…nicht nur aus lokalen town halls sondern auch aus dem ach so freien, amerikanisch kontrollierten und zensierten Internet (Facebook, Instagram, wordpress.com). Und da wo Böhmenmanns Tirade so nie hätte gesendet werden können…borniert überpiepst von vorne bis hinten. Da wo religiöse Gefühle und die Gefühle des strukturellen Puritanismus all das zensieren, was nicht in die Verklemmung passt. Nur die verdammten Japaner sind noch prüder. Sind ja auch Muslime. Ooops, ich meine Migranten. Überall. Außer in Japanien.

        Wer derartige double standards pflegt, beleidigt meinen Verstand. 😉

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  3. barbwiring schreibt:

    Das ist doch der absolute Höhepunkt der allgemeinen Bigotterie…Doppelmoral bis über beide Ohren…

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    • barbwiring schreibt:

      Wenn Sie ein Migrant sind, mein lieber Herr, dann doch nur als Flüchtling aus dem verfickten land of the free…da wo man das f-Wort nicht unsenziert in den öffentlichen Raum sprechen kann, wo freigelegtes „pubic hair“ und „female nipples“ – wie abgebildet – und Schwänze sowieso, jedliche entsprechende Abbildung aus dem öffentlichen Raum verbannen…nicht nur aus lokalen town halls sondern auch aus dem ach so freien, amerikanisch kontrollierten und zensierten Internet (Facebook, Instagram, wordpress.com). Und da wo Böhmenmanns Tirade so nie hätte gesendet werden können…borniert überpiepst von vorne bis hinten. Da wo religiöse Gefühle und die Gefühle des strukturellen Puritanismus all das zensieren, was nicht in die Verklemmung passt. Nur die verdammten Japaner sind noch prüder. Sind ja auch Muslime. Ooops, ich meine Migranten. Überall. Außer in Japanien.

      Wer derartige double standards pflegt, beleidigt meinen Verstand.

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      • William Wires schreibt:

        Ja, ich bin irgendwie „geflüchtet“, ohne genau zu wissen warum. (Wir waren alle mal jung.) Das ist zu lange her. Zum Ereignis im Rathaus Köpenick, mir – als Künstler und Migrant – geht es um die Handhabe und die Erklärungen dazu. Keine/r hat was über Amis oder Muslime gesagt. Die Amtsleiterin sprach von „Migranten“ und „religiösen Gefühlen“. Das ist mir zu unspezifisch und pauschalierend. Die gesellschaftliche/politische Aspekte zur Nacktheit und zu Frauen insgesamt ist ein anderes Thema, auch ein wichtiges.

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      • barbwiring schreibt:

        „Migranten“ und „religiöse Gefühle“ ist doch nur eine verdruckste Verklausulierung von „Muslime“ und „Islam“…also eine Beleidigung aller aufgeklärten Perserkinder von und zu Bad Godesberg, aller gastarbeiterkinder aus Köpenick und Neukölln…nicht aber eine Beleidigung derer, die man hier aus dem Bauch heraus nie als Herkünftler aus einer gefährlichen und akut bedrohlichen Kultur wahrnehmen würde…Amerikaner, also. Die sind doch die Guten, also die, die Berlin mit Rosinen wieder ganz gebombt haben.

        Ich finde, wie sollten uns fragen, warum wir (ich schließe mich da nicht aus) den ungelenken Umgang mit der Zurückgebliebenheit von ein paar hinterwälderischen kurdischen Bauern als den Untergang unser „Kultur“ empfinden, während unsere tatsächliche Kultur davon geprägt ist, dass wir unhinterfragt puritanische Einflüsse auf uns niederprasseln lassen, gerade im Netz, in TV und Television. In der wunderbar trivialen Filmkunst, die wir uns jeden Tag reinziehen, kann das Blut nur so spritzen, der Held kann Drogenkartelle führen, Massen morden und Menschen verspeisen, er bleibt der Held…aber wehe ein Busen blitzt, oder aber er schaut eine 16-Jährige nur begehrlich an. Mord ist verboten, wir aber bedenkenlos in der Kunst abgebildet. Der intercourse mit einer 16-Jährigen ist in vielen Staaten nicht einmal verboten, kommt aber keinesfalls vor. Vorauseilend als no-go aus dem Skripten verbannt.

        Angesichts dieses tatsächlichen kulturellen backlashs tendieren wir dazu nur die Schulter die zucken…die Amis sind halt so. Selbst die Zurückgebliebenheit finden wir noch lustig: http://www.huffingtonpost.com/entry/censorship-of-nude-art_us_564639fde4b045bf3deefeeb

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  4. William Wires schreibt:

    „…nie als Herkünftler aus einer gefährlichen und akut bedrohlichen Kultur wahrnehmen würde…Amerikaner, also.“ Aber, es ist genau die -die Amis- , die so „heuchlerisch“ zensieren, oder? Also, doch ein Gefahr für die Freiheit. Der weltoffene Perser, et al schließe ich sinngemäß in meinem Blogeintrag ein.
    Ich widerspreche nicht alle die anderen anhängende Themen, die Sie ansprechen. In Europa und in den USA werden manchen Widerspruch doch öffentlich thematisiert.
    Und wie und warum eine Kultur untergeht, ist komplex. Wie in der Menschheitsgeschichte zu entnehmen ist, können nicht nur Vulkanausbrüche, aber auch Religionen/ Ideologien Zivilisationen nach unten ziehen. Wo Widersprüche und Dissens nicht möglich sind, erstickt die Lebendigkeit.

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    • barbwiring schreibt:

      Wir sind Amerika…ich liebe Amerika. Gerade auch für den Mut zur Unterhaltung. Fände es nur besser, wenn diese manchmal etwas grenzüberschreitender wäre, wenn es um gefällige Nacktheit geht, und nicht nur wenn es um gehäufte Totheit geht, if you know what I mean.

      Kurz: Bei der idiotischen, reflexartigen Verbannung der Kunst (und der Natürlichkeit) in die Pornographie ist Köpenick meines Erachtens nicht die vorderste Front. No offence!

      Ich gehe mit Ihnen jede Wette ein, dass Sie in Ihrem virtuellen (Rat-)Haus mit angegliederter Galerie die aufgestellte Kunst sofort wieder abhängen würden, wenn der amerikanische Hausmeister damit droht, Sie wegen der gezeigten Kunst zu verjagen und ihr Haus einzureissen.

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  5. barbwiring schreibt:

    Jetzt bin ich aber enttäuscht, Mister W! Warum haben Sie denn nur die halbe Wahrheit gezeigt?

    Ein rassiges exotisches Babe, ganz dem reduzierten Frauen- und Fremdenbild, das die Wolfgangs dieser Welt als weichgezeichnete „geschmackvolle Aufnahmen“ verkaufen und kaufen, hing also auch im multikulturell besuchten Rathaus zu Köpenick:

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    • William Wires schreibt:

      Die halbe Wahrheit… Ich habe das Bild gezeigt, das ich von den beiden besser fand. Ich habe das Gefühl, dass Sie mein Anliegen nicht verstanden haben. Alle Bilder hingen seit Wochen im amtsverschimmelten Flur, d.h. eine Auswahl wurde bereits getroffen. Die Ausstellung an sich ist bezügl. der Sache völlig uninteressant. Über Geschmack lässt sich streiten. Dazu haben wir Gesetze, (die Böhmermann austestet). Übrigens, ich finde sein Gedicht als solches schlecht gemacht.
      Mir ging es um die unklare und ausweichende Begründung und das Pauschalieren.

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      • barbwiring schreibt:

        Verstehe schon was Sie meinen…und nichts für ungut! Wollte halt auch nur ein bisschen austesten inwieweit die Empörung der Herren meiner etwas anders gearteten Empörung standhält. 😉

        Das Bild, dass Ihnen nach eigener Aussage weniger gefällt, und das deswegen zunächst unter den Tisch fiel, wohl weil das Bild weniger künstlerisch ist, und nicht eta weil die Abgebildete weniger attraktiv ist, geht meines Erachtens gar nicht! Ein erklärter Hobby-Knipser aus Köpenick, der willige Mächen sucht, die sich mit dem impliziten Versprechen einer wie auch immer gearteten Karriere ausziehen. Aber hallo, dieser schleimige Akt-eur versucht ja nicht einmal, seineb erklärten Softporno Kunst zu nennen!

        Wenn mein Freund so etwas in seinem Hobbykeller aufhängen würde, dabei ein Loblied auf die Schönheit der Frau an sich anstimmend, etwas von Kunst faselnd, dann wäre ganz schnell Schluss mit lustig! Und zwar nicht, weil ich etwas gegen Kunst habe, oder gegen Nacktheit, sondern weil es eine fiese Mogelpackung ist. In dem Fall einfach sexistisch und implizit rassistisch. Denkbar ungeeignet für einen Rathausflur. Ich möchte den schmierigen Beamten sehen, der sich für die anfänglich Hängung begeistert hat… „Das braune Mädchen nehmen wir, oder ist das eine Asiatin?“ Um diese Kränkung geht es bei nicht einvernehmlicher Pornographie. Nicht einvernehmlich für den durch das Setting verstörten Betrachter, wohlgemerkt. Kunst? In dem Fall:Für den Arsch! Bzw.:einfach schlechte Kunst.

        Ich bin ja alles andere als verklemmt, aber das Motiv, das ich meinem Typen vor die Linse lasse, sollte keineswegs die exotische andere Frau sein, die ergebene und abhängige Kindfrau, sondern gefälligst ich. Und er selbst auch noch irgendwie mit im Bild. Denn wirklich künstlerisch wertvolll ist für mich persönlich beim schwierigen Balanceakt des Akts nur das, was nicht mit Weichzeichner geglättet ist, das, was roh und echt ist, ohne finanzielles oder Machtgefälle zwischen Motiv und Künstler…ja dieses Verhältnis zwischen Artist und Modell ist für mich im unterschlagenen Fall augenscheinlich gestört.

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