German Gründlichkeit

Guillotine

Theodore von Karman (1881-1963), der große ungarische Luftfahrtingenieur erzählte einmal folgende Geschichte, um zu erklären warum er entschloss, Ingenieurwesen in Deutschland statt Ungarn zu studieren. In der Schule lobte sein Physiklehrer die deutsche Ingenieurskunst. Eines Tages widersprach von Karman dem Lehrer vor der Klasse: er glaube nicht, dass deutsche Ingenieure besser als andere Ingenieure sein können, weil die gleichen Prinzipien der Ingenieurwesen überall gelehrt werden. Die Klasse wurde still, und der Lehrer starrte auf von Karman.

Dann sagte der Lehrer „Setz dich hin und hör mir zu. Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen. Während der französischen Revolution wurden drei ausländische Ingenieure in Paris gefangen gehalten: ein Engländer, ein Italiener und ein Deutscher. Weil sie für die Aristokratie gearbeitet hatten, sollten sie mit dem Adel gleichermaßen hingerichtet werden.“

„Die drei Männer wurden auf die Hinrichtungsstätte, wo eine Guillotine stand, vor eine jubelnde Menge geführt. Der Engländer, als erster, hatte noch eine Bitte. Er möchte auf dem Rücken liegen, damit seine letzte Vision der Thron Gottes sein dürfte. Der Henker gab dem nach und ließ ihn auf dem Rücken liegen. Das Fallbeil wurde langsam nach oben gezogen, wo es mit einem Klickgeräusch in Position einrastete. Der Engländer rief ‚Mein Gott, mein Gott!‘. Die Klinge stürzte nach unten und ein Wunder passierte. Das Fallbeil hielt fünf Zoll über dem Hals. Vom Publikum gab es ein großes Gebrüll. „Das ist ein Zeichen Gottes! Er ist unschuldig! Er muss befreit werden!“ Und sie banden ihn los und ließen ihn in die Menge hinaus.“

„Der nächste Verurteilte war der Italiener. Er wollte auch auf dem Rücken liegen, damit seine letzte Vision der Thron Gottes sein dürfte. Das Fallbeil wurde langsam nach oben gezogen, wo es mit einem Klickgeräusch in Position einrastete. Der Italiener rief ‚Mein Gott, mein Gott!‘. Die Klinge stürzte nach unten und nochmals passierte ein Wunder. Das Fallbeil hielt vier Zoll über dem Hals. Vom Publikum gab es ein großes Gebrüll. „Das ist ein Zeichen Gottes! Er ist unschuldig! Er muss befreit werden!“ Und sie banden ihn los und ließen ihn in die Menge hinaus.“

„Dann war der Deutsche an der Reihe. Er wollte wie seine Vorgänger auf dem Rücken liegen. Das Fallbeil wurde langsam nach oben gezogen, wo es mit einem Klickgeräusch in Position einrastete. Plötzlich rief der Deutsche ‚Stopp, ich sehe das Problem! Das Seil rutscht seitlich von der linken Riemenscheibe ab.“

*Diese Version des Witzes erschien in Betsy Devine und Joel Cohen, Absolute Zero Gravity (Simon & Schuster, 1992), S. 54-55. Von mir aus dem Englischen übersetzt.

In der Hessischen Verfassung steht die Todesstrafe noch, wurde aber durch nationales Gesetz zombifiziert. (Landesverfassung unter Artikel 21 zu lesen: „Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden […], kann er zum Tode verurteilt werden.“) Es gibt auch noch ein delikates deutsches Gesetz, das den „Schusswaffengebrauch im Grenzdienst“ regelt. Es wurde neulich auf dieses noch geltende Gesetz hingewiesen und Stellung genommen. Je nach Hartnäckigkeit des Fragestellers käme logischerweise Folgendes aus dem Gesetzestext hervor: „(z)ur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ Trotzdem will keiner, dass ein „Polizist auf einen Flüchtling schieß(t).“ Statt dieses vorhandenes Gesetz zu hinterfragen, wird wie wild geschossen und mit populistischer Empörung und künstlicher Aufgeregtheit reagiert. Um den Gesetzesinhalt geht es hierbei überhaupt nicht.

Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges bemühte die „Deutsche Partei”, die sich „als Interessenvertretung der ehemaligen Nationalsozialisten“ begriff, zuallererst unter den Nachkriegsparteien scheinheilig um die Abschaffung der Todesstrafe. Schließlich wurden Kameraden, einer nach dem anderen durch die Siegesmächte verurteilt und aufgehängt. Die SPD hat die Sache zuerst zögernd an sich genommen und als „Abkehr von der NS-Barbarei“ gegen die Todesstrafe agiert. Im Jahr 1949 wurde die Todesstrafe schließlich im Artikel 102 des bundesdeutschen Grundgesetzes abgeschafft. Aufgepasst Ami-Hasser: „Die alliierten Besatzungsmächte zeigten sich nur wenig beeindruckt. Noch Mitte 1951 wurden verurteilte Kriegsverbrecher von den Amerikanern (in Deutschland) hingerichtet.“

In der DDR wurden politische Gegner munter weiter geköpft und erschossen bis 1968. Sogar an der Grenze wurden unangemeldete Ausreisen im Kugelhagel gestoppt. Heute können nicht wenige Meinungsmacher die Ausreise aus einer Diktatur von der illegalen Einreise nicht unterscheiden. Wie wird das bei diesen privat zu Hause geregelt: Einbrecher müssen zuerst an der Tür klingeln? (Wie man schließlich handeln darf, ist gesetzlich geregelt.)

Warum sich besorgte Politiker nicht um eine konsequente Streichung solcher Gesetze kümmern, liegt auf der Hand. „Die Bevölkerung müsse jedoch über ein komplettes Verfassungskonvent abstimmen. Man wolle nicht riskieren, dass es bei Volksabstimmung zur Todesstrafe zu einer starken Mehrheit kommt, welche sich für die Todesstrafe ausspricht.“ Bei dauernd misstrauischen Politikern verursachen solche Szenerien Schweißausbrüche.

Die großen regierenden Parteien könnten sich darum kümmern, endlich mal den „Schießbefehl“ an der Grenze abzuschaffen, statt nach oben auf das Fallbeil, die Ultima Ratio zu schielen und sich parteipolitisch aufzuregen. Leider wird die Guillotine noch länger aufgestellt bleiben. Gerade wegen des Ultima Ratio.

William Wires, 31 Jan. 2016

 

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11 Antworten zu German Gründlichkeit

  1. Dante schreibt:

    Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges bemühte die „Deutsche Partei”, die sich „als Interessenvertretung der ehemaligen Nationalsozialisten“ begriff, zuallererst unter den Nachkriegsparteien scheinheilig um die Abschaffung der Todesstrafe. Schließlich wurden Kameraden, einer nach dem anderen durch die Siegesmächte verurteilt und aufgehängt. Die SPD hat die Sache zuerst zögernd an sich genommen und als „Abkehr von der NS-Barbarei“ gegen die Todesstrafe agiert.

    Dann war die Abschaffung der Todesstrafe also gar nicht eine Reaktion auf deren Missbrauch im Dritten Reich, sondern schlicht Verbrecherschutz?

    Gefällt 2 Personen

  2. Adolf Breitmeier schreibt:

    Im Januar 2016 wurde die ,,Todesstrafe“ aus der Hessischen Verfassung entfernt, ich meine natürlich das Gesetz! aber mal ganz abgesehen von jeder ethischen oder moralischen Vorstellung: es wird zum Bürgerkrieg in Deutschland kommen, und sollten Deutsche übrig bleiben, werden die fragen, warum man die Grenzen nicht dicht gemacht hat, auch mit Waffengewalt. Sollten die anderen siegen, so werden sie auf ihr Handbuch verweisen, wo ein gewisser Gott zum Sieg verholfen hat. Und dann Gnade ein anderer Gott den Restdeutschen. Dabei gestattet (nicht nur der gesunde Menschenverstand, der fordert das sogar) das Menschenrecht einem jeden Staat, seine Grenzen zu sichern. Die ,,Väter“ der Menschenrechte wußten genau, warum sie die ,,Vaterlämnder“ schützen wollten: Nur starke Vaterländer, Nationen gew#ähren ihrem Volk Schutz, innere und äußere Sicherheit, Freiheit, Entfaltungsmöglichkeiten und Wohstand. Multikulti geht nur bis zu einem gewissen Grad, dann tut es nicht mehr. Selbst in der Schweiz und Belgien sind die einzelnen Sprachgebiete voneinander getrennt – und es funktioniert nur deshalb, weil alle intelligent genug sind, den Nutzen einer größeren aber überschaubaren Gemeinschaft zu erkennen (in Belgien klappt es nicht immer so gut).

    in 2014 gab es in Deutschland in der Altersgruppe, der die Überzahl der ,,Einwanderer“ stellt (es ist eine Invasion!!) etwa 5 Millionen deutsche Männer und fünf Millionen deutsche Frauen (Mendellehre der Vermehrung). Zur Zeit stehen fünf Millionen Frauen etwa 6,0 bis 6,2 Millionen Männern gegenüber, weil 1,0 bis 1,2 Millionenneue Männer im zeugungsfähigen Alter, mit einem ganz anderen Frauenbild als hier als ,,Schutzsuchende aus sicheren Drittländern in Deutschalnd einwanderten. Wenn in 2017 >> was nach Einschätzung der Bundesregierung fast sicher ist >> nochmals um die 1,4 oder 1,5 Millionen Männer kommen, dann stehen fünf Millionen Frauen etwa 7, 5 oder mehr Männern gegenüber. (Selbst wenn hunderttausend Frauen nachziehen, ändert sich wenig am Verhältnis). Selbst der schwachsinnigste Idiot dürfte merken, das hier ein Gewaltpotenzial vorhanden ist (nett ausgedrückt), dass das Geschlechterverhältni in Unordnung geraten ist. Taharrush (Massenvergewaltigung in Menschenmassen) düfte wie im Orient ,,Volkssport “ werden.

    Gefällt 1 Person

    • Dante schreibt:

      Taharrush (Massenvergewaltigung in Menschenmassen) düfte wie im Orient ,,Volkssport ” werden.

      Der vollständige Begriff lautet Taharrush jamai, fälschlich als Taharrush gamea transkribiert. Es ist anscheinend vor allem in Ägypten verbreitet, nicht so sehr in Syrien oder dem Irak, wo die echten Kriegsflüchtlinge herstammen – freilich auch eine unbekannte Zahl von „U-Booten“ des Daesh, zu denen ich ohne Weiteres jeden zählen würde, der hierzulande andere Flüchtlinge terrorisiert. Ich würde gern alle, die sich danebenbenehmen, als Daesh-Anhänger und somit Nicht-Flüchtlinge eingestuft und umgehend nach Raqqa geschickt wissen, doch fürchte ich, dass die Einzigen, die sich offen dafür einsetzen, dafür eine Rechtsgrundlage zu schaffen, Rechtsradikale sind, die aus dem ganzen Terror ein „Rassen“-Ding machen wollen, von wegen „blonde Frauen werden von nordafrikanischen Männern bedrängt“. Denen ist die sexuelle Gewalt und ihre Opfer egal, namentlich diejenigen Opfer, die selbst z.B. aus Syrien gekommen sind.

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    • Hajo schreibt:

      Mit Bürgerkrieg hat das nichts zu tun.

      Wir Deutschen kämpfen in unserem Land gegen fremde Invasoren und dabei haben wir das Recht jedes!! Mittel einzusetzen um diese wieder aus dem Land zu treiben oder zu neutralisieren.

      Jedes!! Mittel.

      Wo sind in unserem Land auf unserem Boden.

      Im Übrigen: Wem dient Merkel?

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  3. jsbielicki schreibt:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

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  4. Hessenhenker schreibt:

    Dieser humorlose Thorsten Schäfer-Gümpel von der SPD wollte die Todesstrafe zwar aus der Verfassung des Landes Hessen entfernen lassen, aber bis dato war jahrzehntelang das Argument der Parteien, weshalb das NICHT ginge: da müßte man vorher eine Volksabstimmung machen lassen, und das haben sie sich nicht getraut.
    Ich habe keine Einladung zur Volksabstimmung enthalten, also wird wohl die Todesstrafe noch drinstehen in der Verfassung.
    Ich bin die einzige mir bekannte Person, die sich je auf den Posten beworben hat,
    noch habe ich Hoffnung gutbezahlt als Henker in Hessen angestellt zu werden.

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  5. Adolf Breitmeier schreibt:

    Hajo: Mit Bürgerkrieg meinte ich den Krieg gegen autochthone, deutsche Bürger (da hatte ich mich nicht klar ausgedrückt). Da dürften dann auch so genannte nicht integrierbare ,,Passdeutsche“ mitwirken.

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    • Dante schreibt:

      …und autochthone Deutsche selbst. Und andere autochthone Deutsche, die ebenso schlecht integrierbar sind, werden versuchen, ein „Rassen“ding daraus zu machen und Leute attackieren, von denen sie nur wissen, dass diese Ausländer sind.

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      • Hessenhenker schreibt:

        Kann ich mir gut vorstellen!
        Ich erlebe ständig, daß refugee-Befürworter den Rassenhaß nur schwer verbergen können, wenn ich für ein Besuchsvisum für meine ausländische Verlobte demonstriere.
        Und da rede ich von SPD-Klientel.

        Gefällt 1 Person

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