Unfortunate fortunate cookies

Glückskeksweisheiten werden auf Facebook oft gedankenlos weiterverbreitet. Eine davon ist die unten verlinkte Geschichtsstunde, die wiederum von der religiösen „Islamische Zeitung“ in “leicht veränderter Form” verwertet wird. Diese sollte Nicht-Muslimen Ignoranz unterstellen und dann belehren. Nur, mit solcher Geschichtsklitterung wirkt das Ganze dümmlich populistisch, denn kein bisschen des Geschriebenen stimmt mit Tatsachen überein. Ein klares Eigentor!

St. Martin – doppelt gemoppelt als Heiliger St. Martin hingeschrieben – wird als „ungarisch-römischer Soldat“ bezeichnet. Auch wenn man abstreiten will, dass er tatsächlich römischer Bürger, dessen Familie aus Pavia in Norditalien stammte, war, fällt das Ganze trotzdem flach. Aufgrund der Tatsache, dass das Volk der Magyar damals noch gar nicht in Europa war.

Nikolaus von Myra, ein römischer Bürger aus dem griechischen Kulturkreis, war kein „türkischer“ Bischof. Erst ein halbes Jahrtausend später stürmten die Seldschuken-Türken nach Anatolien als Eroberer hinein. Frag mal die Kurden, die Armenier, wie das ist über die Marktplätze in der heutigen Türkei zu spazieren. Tipp: Es wäre sicher kein Cakewalk im rot-weißen Fahnenmeer des islamisch-reaktionären Nationalisten Erdoğan. Und der hat schon sein eigenes ziemlich skurriles Geschichtsverständnis…

Jesus – ein aramäischer Jude – wird nicht als „Prophet“ im Abendland gefeiert. Man sieht spätestens hier woher die Wind weht. Warum dabei nur das Abendland geographisch eingegrenzt wird, ist unerklärlich, wenn man das weltweite Christentum als Ganzes betrachtet, trotz des massiven Rückgangs der christlichen und jüdischen Bevölkerungen in den muslimischen Ländern. Jesus und auch die Hirten – als Juden – hätten heute eher Probleme in Jerusalem als in Dresden spazieren zu gehen, besonders in der Nähe des Tempelberges, wo psychopathische Killer Juden auf offener Straße mit tödlicher Absicht attackieren.

Wenn zum Glückskeksspruch hingekritzelt wird, dass „(d)ie Kulturen Europas müssen vor Islamhassern und Rassisten beschützt werden. Und das geschieht durch Bildung und Satire,“ tippe ich erstmals auf Satire, auch wenn dort kein bisschen Humor zu finden ist. Bildung sowieso nicht.

Der irregeleitete – oder irreleitende – Hobbyhistoriker findet „es immer bereichernd, wenn Menschen sich in der Geschichte so gut auskennen“. Aber seine Leser sollen nicht zu sehr hingucken, sondern lieber „mal kurz die Geschichte ruhn“ lassen und zur Gegenwart zurückkehren.

Sehen Sie, man muss kein Historiker sein; nur logisch denken und sich nicht von Vorurteilen missleiten lassen.

William Wires, 8. Nov. 2015

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